In den letzten Jahren haben die Spannungen in Osteuropa und im Baltikum zugenommen. Die militärische Präsenz ist auf beiden Seiten der Grenzen gestiegen – Truppenbewegungen, Manöver und der Bau neuer Militärstützpunkte nehmen zu. Als Umweltschützer beschäftigen wir uns normalerweise nicht mit Geopolitik, doch die Geopolitik dringt immer wieder in unsere Arbeit ein. Panzerspuren durchziehen Wälder, Raketen durchkreuzen den Himmel, und Radarwellen stören die Vogelmigration.

Krieg: Ein Angriff auf die Umwelt

Krieg ist immer ein Angriff auf die Natur. Der Konflikt in der Ukraine zeigt dies auf erschreckende Weise: brennende Öllager, Explosionen in Chemiefabriken und tonnenweise ausgelaufenes Treibstofföl verschmutzen Flüsse nach dem Untergang von Schiffen. Militärische Aktivitäten haben Brände in der Sperrzone von Tschernobyl ausgelöst, wodurch radioaktive Asche in die Atmosphäre gelangte. Tausende Hektar Wald und Steppe sind durch unablässige Bombardierungen zerstört worden. Die Treibhausgasemissionen, die durch diese Brände und Explosionen freigesetzt wurden, sind katastrophal. Experten schätzen, dass allein im ersten Kriegsjahr die CO₂-Emissionen aus militärischen Aktivitäten die jährlichen Emissionen vieler ganzer Staaten überstiegen haben.

Zum Glück herrscht in unserer Region derzeit kein Krieg. Doch selbst die Vorbereitung auf mögliche Konflikte verursacht bereits Umweltzerstörung. In Belarus finden regelmäßig groß angelegte Militärübungen statt, die riesige Übungsplätze benötigen. Diese zerstören Felder, verdrängen Wildtiere und zerstören Lebensräume. Wälder werden für Schießplätze gerodet, und in Polesien entstehen neue Militäranlagen auf Flächen, die eigentlich Naturschutzgebiete werden könnten. Eine ähnliche Entwicklung ist in den baltischen Staaten zu beobachten, wo NATO-Übungsbasen sich zunehmend auf Naturräume ausdehnen. Der Lärm von Flugzeugen und Geschützfeuer stört sowohl menschliche Siedlungen als auch die Tierwelt – viele Vögel verlassen ihre Nistgebiete.

Der versteckte CO₂-Fußabdruck des Krieges

Militarisierung hat nicht nur lokale Auswirkungen, sondern auch globale Konsequenzen. Die Streitkräfte gehören zu den größten Umweltverschmutzern der Welt. Studien zeigen, dass die Armeen weltweit bis zu 5,5 % der globalen Treibhausgasemissionen verursachen – mehr als viele ganze Länder. Dennoch bleiben diese Emissionen in den internationalen Klimaschutzabkommen weitgehend unberücksichtigt. Während der Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll und zum Pariser Abkommen wurden militärische Emissionen als „Sicherheitsfragen“ klassifiziert und daher von der Erfassung ausgeschlossen.

Während Kohlekraftwerke geschlossen und Elektrofahrzeuge gefördert werden, verbrennen Kampfjets und Panzer weiterhin Tausende Tonnen Treibstoff – und verschärfen die Klimakrise. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch irrational. Klimagerechtigkeit erfordert Transparenz seitens der Streitkräfte – kein Argument zur nationalen Sicherheit darf es rechtfertigen, die Umweltschäden des Militärs zu verschleiern.

Das toxische Erbe vergangener Kriege

Neben den direkten Emissionen vergiften die Hinterlassenschaften früherer Kriege weiterhin die Umwelt. Die Ostsee, eines der am stärksten militarisierten Meere des 20. Jahrhunderts, trägt noch immer die Narben vergangener Konflikte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Tausende Tonnen Munition und chemische Waffen dort versenkt. Behälter mit Senfgas und Lewisit rosten seit über 70 Jahren auf dem Meeresboden und setzen langsam ihre giftigen Inhalte frei. Experten schätzen, dass 1,8 Millionen Tonnen konventionelle Munition und rund 5.500 Tonnen chemische Waffen im Wasser der Ost- und Nordsee zerfallen – eine gewaltige Umweltbedrohung.

Das ist nicht nur historische Verschmutzung – es ist eine andauernde Krise. Wissenschaftler haben erhöhte Werte giftiger Substanzen in den betroffenen Gebieten nachgewiesen, massive Fischsterben beobachtet und genetische Mutationen bei Meereslebewesen dokumentiert. Die Ostsee leidet bereits unter Eutrophierung, wodurch sauerstoffarme „Todeszonen“ entstehen. Nun kommt noch die Bedrohung durch auslaufende Giftstoffe hinzu.

Statt einer koordinierten Aktion zur Beseitigung dieses toxischen Erbes bauen die Länder jedoch ihre militärische Präsenz in der Ostsee weiter aus. Immer mehr Marineübungen und Unterwasserexplosionen werden durchgeführt. Jede Detonation kann giftige Sedimente aufwirbeln und eine ohnehin bedrohliche Situation weiter verschärfen.

Die jüngste Sabotage der Nord-Stream-Gaspipelines zeigt das Problem noch deutlicher. Diese Attacke führte zu einer der größten Methanemissionen in der Geschichte – Schätzungen zufolge wurden zwischen 300.000 und 500.000 Tonnen Methan, eines der stärksten Treibhausgase, freigesetzt. Dies geschah in der Ostsee – vor dem Hintergrund wachsender militärischer Spannungen. Die Botschaft ist klar: Konflikte beschleunigen die Klimakatastrophe. Gesprengte Pipelines tragen direkt zur globalen Erwärmung bei.

Genug Warnungen – das Urteil ist eindeutig

Die Schlussfolgerung ist unbestreitbar: Militarisierung zerstört sowohl den Frieden als auch den Planeten. Statt Waffen zu horten, sollten wir Wälder pflanzen und in erneuerbare Energien investieren. Statt Minen ins Meer zu legen, sollten wir Meeresschutzgebiete schaffen. Statt Raketensilos zu bauen, sollten wir Nationalparks erweitern.

Was können wir tun?

Die Beeinflussung militärischer Strategien ist für zivilgesellschaftliche Aktivisten schwierig – Generäle hören nicht auf Umweltschützer. Doch öffentlicher Druck kann politische Prioritäten verändern. Folgende Maßnahmen sind entscheidend:

  1. Umweltverträglichkeitsprüfungen für militärische Aktivitäten fordern. Kein Manöver sollte ohne eine ökologische Bewertung stattfinden. Die Öffentlichkeit muss fragen: Welche Auswirkungen hat dies auf Tiere, Wasserquellen und Wälder?
  2. Transparenz und Regulierung von militärischen CO₂-Emissionen einfordern. Armeen müssen ihre Kohlenstoffbilanz offenlegen. Das Pariser Abkommen sollte dahingehend geändert werden, dass militärische Emissionen verpflichtend erfasst und reduziert werden.
  3. Die Ostsee zu einer Region der Zusammenarbeit statt der Konfrontation machen. Initiativen wie HELCOM fördern bereits den grenzüberschreitenden Meeresschutz – sowohl zwischen NATO- als auch Nicht-NATO-Staaten. Diese Bemühungen sollten verstärkt werden. Statt eines Wettrüstens brauchen wir ein Wettrennen um Umweltsanierung. Warum nicht eine internationale Taskforce gründen, um einige der versenkten Chemiewaffen zu bergen? Ja, das wäre teuer und schwierig. Aber ist es wirklich teurer oder gefährlicher als der Bau neuer U-Boote?

Jeder von uns kann dazu beitragen. Wir können diese Themen bei unseren Regierungen und in unseren Gemeinschaften ansprechen. Die öffentliche Meinung formt politische Entscheidungen. Wenn die Menschen klar zeigen, dass ihnen saubere Flüsse und Meere wichtiger sind als militärische Drohgebärden, wird sich die Politik verändern.

Wahre Sicherheit bedeutet nicht Panzer – sondern Bäume.
Nicht Raketen – sondern Meeresleben.